Lösemittelhaltige Abluft aus Lackier- und Beschichtungsprozessen zuverlässig zu reinigen, ist Kernaufgabe regenerativ-thermischer Oxidationsanlagen (RTO). Der Großteil dieser Anlagen wird mit fossilen Energieträgern (hauptsächlich Erdgas) beheizt; bisherige elektrische Varianten sind auf kleine Volumenströme beschränkt. Diese Begrenzung hebt Dürr CTS auf. Das Unternehmen erweitert sein Oxi.X-Portfolio – die Produktfamilie für thermische Abluftreinigungsanlagen – und elektrifiziert alle RTO-Bauarten.
Bewährte Mehrkammer-Technik mit neuem Energieträger
Bei der elektrischen Auslegung behält Dürr CTS die bewährten Mehrkammer-Systeme bei und ersetzt die gasbetriebenen Brennersysteme durch elektrische Heizelemente. Identisch bleibt also das Grundprinzip des thermischen Verfahrens, flüchtige organische Verbindungen (VOC), gefährliche Luftschadstoffe (HAPs) und Gerüche durch Oxidation aus der Prozessluft gemäß den gesetzlichen Anforderungen zu minimieren. Das Ergebnis: dieselbe Reinigungsleistung, keine offene Flamme, dadurch kein thermisches NOₓ und kein betriebsbedingter CO₂-Ausstoß der Abluftreinigungsanlage.
„Weltweit haben wir in den vergangenen 30 Jahren mehr als 5.000 RTOs installiert, darunter 600 elektrische Systeme der flammenlosen Einzelbett-Abluftreinigung Oxi.X RV. Mit den veränderten politischen Rahmenbedingungen ab 2022 und den damit gestiegenen Kosten für Primärenergieträger haben wir den nächsten großen Entwicklungsschritt abgeschlossen, indem wir als erster Anbieter alle RTO-Bauarten elektrifiziert anbieten können“, sagt Carsten Walddörfer, Manager Product Management bei Dürr CTS.
Für jeden Prozessschritt das passende System
Die Anforderungen entlang industrieller Fertigungsprozesse variieren erheblich: Bei der Oberflächenbeschichtung von Karosserien sind Volumenstrom und Schadstoffkonzentration in der Lackierkabine hoch, im anschließenden Trocknungsschritt deutlich geringer. Das erweiterte RTO-Portfolio erlaubt die gezielte Behandlung von Abluftströmen unterschiedlicher Charakteristik in der jeweils optimalen Anlagenlösung. Die bewährte Oxi.X RV bleibt dabei die passende Lösung für niedrige Eintrittsbeladungen; weitere Baureihen sind für mittlere bis hohe Durchsätze und Schadstoffanforderungen wie Korrosion, Kondensation oder Stäube ausgelegt. So lässt sich jeder Abschnitt einer Produktionslinie technisch und wirtschaftlich optimal ausgelegen.
Keramische Heizelemente für korrosive Abgase
Bisherig kamen elektrische RTOs bei korrosiven Abgasen an konstruktive Grenzen, da metallische Heizelemente unter dem Angriff aggressiver Medien – etwa aus Prozessen mit Halogenverbindungen – schnell verschleißen. Für diese Anforderungen stattet Dürr CTS die elektrischen Variante optional mit keramischen Heizelementen aus. Keramik widersteht auch hochkorrosiven Abgasen dauerhaft und ermöglicht so einen produktionssicheren Betrieb unter anspruchsvollen Bedingungen.
Gasunabhängigkeit und Flexibilität beim Energieträger
Mit der Produkterweiterung reagiert Dürr CTS auf eine wachsende Nachfrage, die in der Automobilindustrie vor allem von zwei zentralen Zielen getrieben wird: der Senkung der CO₂-Emissionen und der Unabhängigkeit von Gaslieferungen. Elektrische RTOs erfüllen beide Anforderungen gleichzeitig, vorausgesetzt, der eingesetzte Strom stammt aus erneuerbaren Quellen.
Darüber hinaus können Betreiber von dynamischen Stromtarifen profitieren, insbesondere in Kombination mit eigener Photovoltaik und Batteriespeicher. Für Bestandsanlagen bietet Dürr CTS elektrisch beheizte Umrüstlösungen an. Neu installierte Anlagen lassen sich zudem so konzipieren, dass ein späterer Wechsel zwischen Gas- und Strombetrieb möglich bleibt – eine Option, die an Bedeutung gewinnt, sollten die CO₂-Preise weiter steigen.

